Ingenieur vermisst eine große Industrieluftfilteranlage auf einer Fabrikhalle mit technischen Zeichnungen auf einem Stahltisch.

Wie plant man eine industrielle Luftreinigungsanlage von Grund auf?

Eine industrielle Luftreinigungsanlage plant man, indem man zunächst die Schadstoffbelastung am Standort analysiert, dann das passende Filtersystem auswählt und schließlich die Anlage in die vorhandene Gebäudetechnik integriert. Der gesamte Prozess folgt einer klaren Abfolge: Messen, auswählen, dimensionieren, einbauen und langfristig warten. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen, die bei der Planung einer industriellen Luftreinigungsanlage aufkommen.

Welche Anforderungen bestimmen die Auslegung einer Luftreinigungsanlage?

Die Auslegung einer Luftreinigungsanlage wird durch die Art und Konzentration der vorhandenen Schadstoffe, den Volumenstrom der zu reinigenden Luft, die baulichen Gegebenheiten vor Ort sowie die geltenden Normen und Schutzanforderungen bestimmt. Diese vier Faktoren definieren gemeinsam, welche Anlage technisch notwendig und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Bevor eine einzige Komponente ausgewählt wird, müssen die Anforderungen klar formuliert sein. Handelt es sich um korrosive Gase wie Schwefelwasserstoff oder Chlor, oder geht es primär um Geruchsemissionen? Muss empfindliche Elektronik geschützt werden, oder steht der Schutz von Personen im Vordergrund? Je nach Antwort unterscheiden sich Filtermedium, Systemarchitektur und Dimensionierung erheblich.

Ein weiterer zentraler Faktor ist die internationale Norm ANSI/ISA-71.04-2013, die Korrosivitätsklassen für elektronische Umgebungen definiert. Anlagenhersteller geben häufig keine Garantie für Elektronik, die einer Luftbelastung oberhalb der Klasse G1 ausgesetzt ist. Das macht diese Norm zu einem verbindlichen Planungsrahmen für alle Anlagen, die Steuerelektronik schützen sollen.

Wie ermittelt man die Schadstoffbelastung am geplanten Standort?

Die Schadstoffbelastung an einem geplanten Standort ermittelt man durch eine Kombination aus passiven Korrosionsmessungen, aktiven Gasmessungen und einer Analyse der betrieblichen Prozesse vor Ort. Eine belastbare Messung ist die Grundlage jeder seriösen Planung einer Luftfilteranlage.

Ein bewährtes Verfahren ist der Einsatz von sogenannten Korrosions-Klassifikations-Coupons (CCC). Diese kostengünstigen Messstreifen werden für einen definierten Zeitraum in der Anlage platziert und anschließend im Labor ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, welche Gase in welcher Konzentration vorhanden sind und in welche Korrosivitätsklasse die Umgebung einzustufen ist. Dabei sind keine aufwendigen Messgeräte vor Ort notwendig.

Für eine kontinuierliche Überwachung eignen sich elektronische Korrosivitätssensoren wie der OnGuard 4000, der auf dem Prinzip des Korrosionsfilmaufbaus basiert und in Echtzeit Daten über die Luftqualität liefert. Dieser Ansatz ist besonders wertvoll in Umgebungen, in denen Prozessschwankungen die Schadstoffkonzentration verändern können, etwa in der Papierindustrie oder der Petrochemie.

Welches Filtersystem passt zu welcher industriellen Anwendung?

Das passende Filtersystem für eine industrielle Anwendung hängt von der Schadstoffkonzentration, dem erforderlichen Reinheitsgrad der Luft und dem baulichen Umfeld ab. Grob unterscheidet man zwischen Umluftanlagen für geschlossene Räume, Zuluftanlagen für Frischluftaufbereitung und Tiefbettfiltern für hochkonzentrierte Schadgase.

Schutz von Elektronikräumen und Leitwarten

Für Serverräume, Leitwarten und Schaltanlagen eignen sich kompakte Umluftsysteme wie das Purafil® Corrosive Air System (CAS) oder die Purafil® Positive Pressurization Unit (PPU). Das CAS arbeitet im Umluftbetrieb und reinigt die Raumluft kontinuierlich, während die PPU zusätzlich einen leichten Überdruck im Schutzraum erzeugt, um das Eindringen kontaminierter Außenluft zu verhindern. Beide Systeme lassen sich kombinieren.

Hochkonzentrierte Schadgase in der Industrie

In Raffinerien, Schmelzbetrieben, Chemiefabriken und ähnlichen Umgebungen mit hohen Gaskonzentrationen kommt der Purafil® Deep Bed Scrubber (DBS) zum Einsatz. Dieser Tiefbettfilter bietet durch eine größere Filterbetttiefe eine deutlich höhere Kapazität für die Aufnahme von Schadstoffen und ist für Anwendungen ausgelegt, bei denen herkömmliche Systeme an ihre Grenzen stoßen.

Was ist der Unterschied zwischen physikalischer Adsorption und Chemisorption?

Bei der physikalischen Adsorption werden Schadstoffmoleküle durch Van-der-Waals-Kräfte an der Oberfläche des Filtermediums angelagert, ohne chemisch verändert zu werden. Bei der Chemisorption hingegen reagieren die Schadstoffe chemisch mit dem Filtermedium und werden dabei dauerhaft neutralisiert oder in unschädliche Verbindungen umgewandelt.

Der entscheidende praktische Unterschied liegt in der Effektivität und Dauerhaftigkeit der Bindung. Physikalisch adsorbierte Stoffe können bei Temperaturveränderungen oder Druckschwankungen wieder freigesetzt werden, was in industriellen Umgebungen ein erhebliches Risiko darstellt. Chemisorptiv gebundene Schadstoffe bleiben dauerhaft im Medium gebunden und können nicht desorbiert werden.

Für die industrielle Luftreinigung und insbesondere für den Korrosionsschutz von Elektronik ist die chemisorptive Luftfilterung deshalb die überlegene Methode. Sie ist besonders wirksam bei reaktiven Gasen wie Schwefelwasserstoff (H₂S), Schwefeldioxid (SO₂), Chlor (Cl₂) und Stickoxiden, die in vielen Industriebranchen auftreten und Elektronik sowie Metallbauteile angreifen.

Wie plant man die Integration einer Anlage in bestehende Gebäudetechnik?

Die Integration einer Luftreinigungsanlage in bestehende Gebäudetechnik erfordert eine Abstimmung mit den vorhandenen Lüftungs- und Klimaanlagen, eine Prüfung der verfügbaren Einbauräume sowie eine Analyse der Luftvolumenströme. Ziel ist es, die neue Anlage so einzubinden, dass sie die bestehenden Systeme ergänzt, ohne sie zu beeinträchtigen.

Zunächst sollte der Planer klären, ob die Luftreinigung im Zu- oder Umluftbetrieb erfolgen soll. Bei der Zuluftaufbereitung wird die Frischluft vor dem Eintritt in das Gebäude oder den Schutzraum gereinigt. Beim Umluftbetrieb wird die Raumluft kontinuierlich im Kreislauf gefiltert. Beide Ansätze können kombiniert werden, was in besonders belasteten Umgebungen empfehlenswert ist.

Wichtig ist außerdem die Dimensionierung des Luftvolumenstroms. Die Anlage muss ausreichend Kapazität haben, um den gesamten Rauminhalt innerhalb eines definierten Zeitraums mehrfach zu reinigen. Hierbei spielen Raumgröße, Schadstoffkonzentration und Schutzanforderungen eine Rolle. Eine zu klein dimensionierte Anlage schützt nicht zuverlässig, eine überdimensionierte Anlage verursacht unnötige Betriebskosten.

Wann ist eine regelmäßige Wartung und ein Medienwechsel notwendig?

Eine Wartung und ein Medienwechsel sind notwendig, wenn das Filtermedium seine Aufnahmekapazität für Schadstoffe erschöpft hat. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Schadstoffkonzentration, dem Volumenstrom und der Menge des eingesetzten Filtermediums ab und lässt sich nicht pauschal festlegen, sondern muss durch regelmäßige Messungen überwacht werden.

Chemisorptive Filtermedien haben eine begrenzte Kapazität: Sie reagieren mit den Schadstoffen, bis alle reaktiven Stellen im Medium belegt sind. Danach kann das Medium keine weiteren Schadstoffe mehr binden. Ein erschöpftes Medium bietet keinen Schutz mehr, auch wenn die Anlage technisch weiterläuft. Deshalb ist eine proaktive Überwachung der Medienbeladung essenziell.

Bewährte Methoden zur Überwachung sind:

  • Regelmäßige Korrosionsmessungen mit Coupons, um die tatsächliche Schutzwirkung zu überprüfen
  • Kontinuierliche Messung mit elektronischen Sensoren wie dem OnGuard 4000
  • Festgelegte Wartungsintervalle auf Basis der bekannten Schadstoffbelastung und der Medienkapazität
  • Laboranalysen des entnommenen Filtermediums zur Bestimmung der Restkapazität

In stark belasteten Umgebungen wie Abwasseranlagen oder metallurgischen Betrieben kann ein Medienwechsel bereits nach wenigen Monaten notwendig sein. In weniger belasteten Umgebungen wie Archiven oder Bürogebäuden kann das Medium deutlich länger im Einsatz bleiben. Entscheidend ist nicht ein starrer Zeitplan, sondern die tatsächliche Beladung des Mediums.

Wie wir bei der Planung Ihrer industriellen Luftreinigungsanlage helfen

Wir bei Dolge-Systemtechnik begleiten Sie durch den gesamten Planungsprozess einer industriellen Luftreinigungsanlage, von der ersten Schadstoffmessung bis zur Inbetriebnahme und darüber hinaus. Als Master Distributor von Purafil für Nordeuropa mit über 35 Jahren Erfahrung in der chemisorptiven Luftfilterung bringen wir das technische Know-how mit, das komplexe Industrieprojekte erfordern.

Konkret unterstützen wir Sie mit:

  • Standortanalyse und Schadstoffmessung: Wir führen Korrosionsmessungen mit Coupons und elektronischen Sensoren durch und werten die Ergebnisse in unserem eigenen chemischen Labor aus.
  • Systemauswahl und Dimensionierung: Auf Basis der Messergebnisse empfehlen wir das passende System, ob CAS, PPU oder Deep Bed Scrubber, und dimensionieren es exakt für Ihre Anforderungen.
  • Integrationsplanung: Wir stimmen die neue Anlage mit Ihrer bestehenden Gebäudetechnik ab und sorgen für eine reibungslose Einbindung.
  • Wartung und Medienwechsel: Wir übernehmen die laufende Überwachung und den rechtzeitigen Austausch der Filtermedien, damit Ihr Schutz lückenlos bleibt.
  • Persönliche Beratung vor Ort: Unser Service ist kostenlos und unverbindlich. Wir kommen gerne zu Ihnen, um Ihre individuelle Situation zu verstehen.

Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf: Rufen Sie uns an unter +49 (0) 5651-2273-0 oder schreiben Sie uns an mail@dolge-systemtechnik.de. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen die richtige Lösung für Ihre Luftreinigungsanlage zu entwickeln.

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    Andreas Peetz

    Leiter Innendienst

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