Lackieranlagen gehören zu den Arbeitsumgebungen mit der höchsten Schadstoffbelastung in der Industrie. Die Luftqualität in einer Lackieranlage wird vor allem durch Lösemitteldämpfe, Isocyanate und Feinstaub aus Sprühprozessen belastet, was sowohl die Gesundheit der Beschäftigten als auch empfindliche Steuerelektronik ernsthaft gefährdet. Wer Lackieranlagen betreibt, steht damit vor einer doppelten Herausforderung: gesetzliche Pflichten einhalten und gleichzeitig Mensch und Technik zuverlässig schützen. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Schadstoffbelastung, Luftreinigung und Filtertechnologien in der Lackiererei.
Welche Schadstoffe entstehen in einer Lackieranlage?
In einer Lackieranlage entstehen vor allem flüchtige organische Verbindungen (VOC), Isocyanate, Schwermetallpartikel aus Pigmenten sowie Feinstaub aus dem Sprühauftrag. Diese Schadstoffe gelangen als Dämpfe oder Aerosole in die Raumluft und können sich rasch auf kritische Werte aufbauen, wenn keine geeignete Luftreinigung vorhanden ist.
Lösemittel wie Xylol, Toluol und Ethylacetat verdampfen beim Lackiervorgang nahezu vollständig in die Umgebungsluft. Isocyanate, die in Zweikomponenten-Lacken als Härter eingesetzt werden, sind besonders problematisch, weil sie bereits in sehr geringen Konzentrationen Atemwegserkrankungen auslösen können. Hinzu kommen anorganische Pigmente, die Schwermetallverbindungen enthalten können, sowie Overspray, also Lacknebel, der sich als Feinstaub in der Luft verteilt.
Besonders tückisch ist die Kombination dieser Stoffe: Während einzelne Konzentrationen noch unterhalb von Grenzwerten liegen, kann das Zusammenwirken mehrerer Substanzen die Gesamtbelastung deutlich erhöhen. Für die Steuerelektronik von Lackieranlagen stellen vor allem saure und reaktive Gase ein Korrosionsrisiko dar, das langfristig zu Ausfällen führt.
Welche gesetzlichen Pflichten gelten für die Luftreinhaltung in Lackierbetrieben?
Lackierbetriebe in Deutschland unterliegen einer Reihe verbindlicher Vorschriften zur Luftreinhaltung. Die wichtigsten Regelwerke sind die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft), die 31. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) für Anlagen mit Lösemitteleinsatz sowie die TRGS 900 für Arbeitsplatzgrenzwerte.
Die 31. BImSchV legt Emissionsgrenzwerte für organische Lösemittel fest und verpflichtet Betreiber zur Erfassung und Minderung von VOC-Emissionen. Anlagen, die bestimmte Lösemittelschwellen überschreiten, müssen einen Lösemittelmanagementplan erstellen und regelmäßig nachweisen, dass die Emissionen innerhalb der erlaubten Grenzen bleiben.
Für den Arbeitsschutz gelten zusätzlich die Vorgaben der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und der DGUV-Vorschriften. Arbeitgeber sind verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen und die Wirksamkeit der Lüftungs- und Filtersysteme regelmäßig zu überprüfen. Technische Schutzmaßnahmen haben dabei Vorrang vor organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen.
Wer eine genehmigungspflichtige Lackieranlage betreibt, muss zudem die Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) erfüllen und in bestimmten Fällen eine behördliche Genehmigung mit festgelegten Auflagen einholen. Verstöße können zu Bußgeldern und im Wiederholungsfall zur Betriebsuntersagung führen.
Wie gefährdet schlechte Luftqualität Gesundheit und Elektronik in der Lackiererei?
Schlechte Luftqualität in der Lackiererei gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten durch Atemwegserkrankungen, Sensibilisierungen und im schlimmsten Fall durch krebserregende Substanzen. Gleichzeitig schädigt die korrosive Atmosphäre aus reaktiven Gasen und Lösemitteln die Steuerelektronik von Anlagen, was zu ungeplanten Ausfällen und kostspieligen Reparaturen führt.
Gesundheitliche Risiken für Beschäftigte
Isocyanate gelten als häufige Ursache für berufsbedingte Asthmaerkrankungen. Lösemitteldämpfe können bei wiederholter Exposition Schäden am zentralen Nervensystem verursachen, und bestimmte Pigmentbestandteile stehen im Verdacht, krebserzeugend zu wirken. Selbst wenn Grenzwerte formal eingehalten werden, können chronische Niedrigkonzentrationen über Jahre hinweg gesundheitliche Schäden verursachen, die sich erst spät zeigen.
Schäden an Steuerelektronik und Anlagentechnik
Reaktive Gase und Lösemitteldämpfe greifen metallische Leiterbahnen, Kontakte und Lötstellen auf Platinen an. Der internationale Standard ANSI/ISA-71.04-2013 definiert Korrosivitätsklassen für elektronische Umgebungen, wobei Anlagenhersteller häufig keine Garantie für Elektronik übernehmen, die über der Klasse G1 belastet wird. In Lackierbetrieben werden diese Werte ohne aktive Luftreinigung oft deutlich überschritten, was die Lebensdauer von Steuerungen, Frequenzumrichtern und Sensoren erheblich verkürzt.
Welche Filtertechnologien eignen sich für Lackieranlagen?
Für die Luftreinigung in Lackieranlagen kommen je nach Schadstoffart unterschiedliche Filtertechnologien zum Einsatz. Für Partikel und Overspray sind mechanische Trockenfilter oder Nassabscheider geeignet, während für gasförmige Schadstoffe wie Lösemittel und reaktive Gase Aktivkohlefilter und chemisorptive Luftfilter die wirksamsten Lösungen darstellen.
Mechanische Filter halten Lacknebel und Staubpartikel zurück, sind aber gegenüber gasförmigen Schadstoffen wirkungslos. Aktivkohlefilter adsorbieren VOC-Dämpfe physikalisch und eignen sich gut für Standardlösemittel. Für reaktive und korrosive Gase, die die Elektronik angreifen, bietet die chemisorptive Luftfilterung entscheidende Vorteile: Dabei werden Schadstoffe nicht nur physisch gebunden, sondern chemisch umgewandelt und dauerhaft neutralisiert.
Für Umgebungen mit hoher Gaskonzentration, wie sie in intensiv genutzten Lackierkabinen auftreten können, sind Tiefbettfiltersysteme besonders geeignet. Diese Systeme bieten durch ihre große Filtermediumsmenge eine hohe Kapazität und lange Standzeiten. Für den Schutz von Schalträumen und Steuerungsbereichen, die an die Lackieranlage angrenzen, eignen sich kompakte Umluftanlagen, die kontinuierlich korrosive Gase aus der Raumluft entfernen.
Bei der Auswahl der richtigen Technologie ist eine vorherige Analyse der tatsächlich vorhandenen Schadstoffe entscheidend. Ein Filtersystem, das für Lösemittel ausgelegt ist, bietet keinen ausreichenden Schutz gegen Isocyanate oder Schwefelverbindungen, weshalb eine genaue Charakterisierung der Luftbelastung vor der Investition unverzichtbar ist.
Wie misst man die Luftbelastung in einer Lackieranlage zuverlässig?
Die Luftbelastung in einer Lackieranlage lässt sich zuverlässig durch eine Kombination aus stationären Messgeräten, Probenahmen und Korrosionsmessverfahren erfassen. Für eine vollständige Beurteilung empfiehlt sich ein mehrstufiges Vorgehen, das sowohl gasförmige Schadstoffe als auch Partikel berücksichtigt.
Für eine erste Einschätzung des Korrosionspotenzials eignen sich Korrosions-Klassifizierungs-Coupons (CCC). Diese kostengünstigen Messelemente werden für einen definierten Zeitraum in der Anlage exponiert und anschließend laboranalytisch ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, welche Korrosivitätsklasse nach ANSI/ISA-71.04-2013 vorliegt, und gibt damit eine klare Handlungsempfehlung für den notwendigen Schutzbedarf der Elektronik.
Für eine kontinuierliche Überwachung des Korrosionsgeschehens in Elektronikräumen, die an Lackierbereiche angrenzen, bieten sich elektronische Korrosivitätssensoren an. Diese Geräte erfassen den Korrosionsfilmaufbau auf Metallproben in Echtzeit und ermöglichen es, Veränderungen der Luftqualität frühzeitig zu erkennen, bevor Schäden an der Steuerelektronik entstehen.
Ergänzend dazu können direkte Gasmessungen mit Prüfröhrchen oder stationären Gaswarngeräten für bekannte Einzelstoffe wie Isocyanate oder VOC-Verbindungen sinnvoll sein. Für eine belastbare Gesamtbeurteilung sollten Messungen sowohl während des laufenden Lackierbetriebs als auch in Ruhephasen durchgeführt werden, um Spitzenbelastungen und Grundbelastungen zu unterscheiden.
Wann sollte man einen Experten für Luftreinigung in der Lackiererei hinzuziehen?
Einen Experten für Luftreinigung sollte man in der Lackiererei spätestens dann hinzuziehen, wenn Elektronikausfälle ohne erkennbare technische Ursache auftreten, wenn gesetzliche Grenzwerte nicht sicher eingehalten werden können oder wenn eine neue Lackieranlage geplant wird. Frühzeitige Fachberatung spart langfristig deutlich mehr Kosten als reaktive Schadensbehebung.
Konkrete Anzeichen, die eine Expertenberatung erfordern, sind unter anderem wiederkehrende Korrosionsschäden an Steuerungen, Beschwerden von Mitarbeitern über Geruchs- oder Gesundheitsbeeinträchtigungen, bevorstehende behördliche Überprüfungen sowie Änderungen im Produktionsprozess, die neue Lacksysteme oder veränderte Lösemittel einführen. Auch wenn bestehende Filtersysteme das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen und ersetzt werden sollen, lohnt sich eine unabhängige Beratung.
Ein Experte kann nicht nur die passende Filtertechnologie empfehlen, sondern auch die notwendigen Messungen durchführen, die Ergebnisse fachgerecht interpretieren und ein Gesamtkonzept entwickeln, das sowohl den Arbeitsschutz als auch den Schutz der Anlagentechnik umfasst. Gerade in Lackierbetrieben, wo verschiedene Schadstoffe gleichzeitig auftreten, ist ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend für dauerhaft wirksamen Schutz.
Wie wir bei Dolge Systemtechnik Lackierbetriebe bei der Luftreinigung unterstützen
Wir bei Dolge Systemtechnik sind seit 1987 auf chemisorptive Luftfilterung spezialisiert und kennen die besonderen Herausforderungen, die in Lackieranlagen entstehen. Als Master Distributor von Purafil für Nordeuropa bieten wir Ihnen nicht nur Filterprodukte, sondern ein vollständiges Lösungskonzept für saubere Luft in Ihrer Lackiererei.
Unser Leistungsangebot für Lackierbetriebe umfasst konkret:
- Luftbelastungsanalyse: Wir setzen Korrosions-Klassifizierungs-Coupons und elektronische Messgeräte ein, um die tatsächliche Schadstoffbelastung in Ihrer Anlage präzise zu erfassen.
- Maßgeschneiderte Filtersysteme: Ob Umluftanlagen für Schalträume, Tiefbettfilter für hochkonzentrierte Gase oder Kombinationslösungen aus mechanischer und chemisorptiver Filtration, wir wählen die Technologie, die zu Ihrer spezifischen Belastungssituation passt.
- Schutz der Steuerelektronik: Mit Systemen wie dem Purafil CAS oder der Purafil PPU schützen wir Ihre Steuerungstechnik zuverlässig vor korrosiven Gasen und helfen Ihnen, die Anforderungen der ANSI/ISA-Norm einzuhalten.
- Kostenloser Vor-Ort-Service: Wir kommen zu Ihnen in den Betrieb, verschaffen uns ein genaues Bild Ihrer Situation und beraten Sie unverbindlich zu den geeigneten Maßnahmen.
- Langfristige Begleitung: Von der ersten Messung über die Installation bis zur Wartung und Medienanalyse im eigenen chemischen Labor begleiten wir Sie in allen Phasen.
Wenn Sie die Luftqualität in Ihrer Lackieranlage verbessern, Ihre Elektronik schützen und gesetzliche Anforderungen sicher erfüllen möchten, sprechen Sie uns an. Kontaktieren Sie uns unter +49 (0) 5651-2273-0 oder per E-Mail an mail@dolge-systemtechnik.de für eine kostenlose und unverbindliche Erstberatung.










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