Techniker installiert Chemikalienfilterkartusche in industriellen Lüftungskanal aus Edelstahl mit gelbem Filtergehäuse.

Wie lässt sich eine bestehende Lüftungsanlage nachrüsten?

Eine bestehende Lüftungsanlage lässt sich in den meisten Fällen nachrüsten, indem geeignete Filtermodule, Adsorptionsstufen oder chemisorptive Einheiten in den vorhandenen Luftkanal integriert werden. Ob eine Nachrüstung technisch möglich ist, hängt vor allem von den verfügbaren Einbaumaßen, dem Volumenstrom und dem Schadstoffprofil der Raumluft ab. Die folgenden Fragen klären, welche Filtertypen infrage kommen, wann eine Aufrüstung sinnvoll ist und wie der Prozess konkret abläuft.

Welche Filtertypen lassen sich in bestehende Lüftungsanlagen integrieren?

In bestehende Lüftungsanlagen lassen sich grundsätzlich drei Filterkategorien nachrüsten: mechanische Partikelfilter (z. B. HEPA), Aktivkohlefilter sowie chemisorptive Filtermedien. Während mechanische Filter Staub und Partikel zurückhalten, sind chemisorptive Systeme auf gasförmige Schadstoffe spezialisiert und chemisch reaktiv, was sie besonders effektiv bei aggressiven oder toxischen Gasen macht.

Für industrielle Umgebungen, in denen korrosive Gase wie Schwefelwasserstoff, Chlor oder Stickoxide auftreten, ist die chemisorptive Luftfilterung die leistungsfähigste Option. Im Unterschied zur reinen Adsorption werden Schadstoffe hier nicht nur physisch gebunden, sondern chemisch neutralisiert. Das verhindert eine spätere Freisetzung und verlängert die Standzeit der Filtermedien erheblich.

Typische Filtertypen für die Nachrüstung im Überblick:

  • Taschenfilter und Kompaktfilter: Für grobe und feine Partikel, als Vorfilterstufe geeignet
  • HEPA-Filter: Für Feinstaub, Viren und Bakterien in sensiblen Bereichen
  • Aktivkohlefilter: Für organische Verbindungen und Gerüche
  • Chemisorptive Filtermedien (z. B. Purafil®): Für reaktive Gase, Korrosionsschutz und hochbelastete Industrieluft
  • Kombinationsstufen: Partikelfilter plus Gasfilter in einem Gehäuse für kompakte Nachrüstlösungen

Welche Kombination sinnvoll ist, ergibt sich aus einer genauen Analyse der vorhandenen Luftbelastung, nicht aus einer pauschalen Entscheidung.

Wann ist eine Nachrüstung der Lüftungsanlage sinnvoll?

Eine Nachrüstung der Lüftungsanlage mit Luftfilterung ist sinnvoll, wenn die bestehende Anlage die Luftqualitätsanforderungen nicht mehr erfüllt, wenn sich die Nutzung eines Gebäudes oder einer Produktionsstätte geändert hat oder wenn gasförmige Schadstoffe die Elektronik oder die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährden.

Konkrete Anzeichen, dass eine Nachrüstung geboten ist:

  • Wiederkehrende Korrosionsschäden an elektronischen Steuerungen oder Schaltschränken
  • Geruchsbeschwerden von Mitarbeitenden trotz laufender Lüftung
  • Erhöhte Ausfallraten bei Maschinen oder Servern ohne mechanisch erklärbare Ursache
  • Veränderungen im Produktionsprozess, die neue Schadstoffquellen einbringen
  • Verschärfte gesetzliche oder normative Anforderungen, etwa durch aktualisierte Arbeitsstättenrichtlinien
  • Messergebnisse, die die Korrosivitätsklasse G1 nach ANSI/ISA-71.04-2013 überschreiten

Besonders in der Papierindustrie, der Metallurgie und der Petrochemie entstehen aggressive Gase, die mit einer Standard-Lüftungsanlage nicht ausreichend behandelt werden. Hier ist eine gezielte Aufrüstung mit chemisorptiven Stufen nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern oft betriebsnotwendig.

Wie wird der Nachrüstbedarf einer Lüftungsanlage ermittelt?

Der Nachrüstbedarf wird durch eine systematische Analyse der Luftqualität am Einsatzort ermittelt. Dazu werden Schadstoffmessungen durchgeführt, die Art und Konzentration der vorhandenen Gase bestimmen. Auf Basis dieser Daten lässt sich beurteilen, ob die bestehende Anlage ausreicht oder welche Filterstufen ergänzt werden müssen.

Korrosionsklassifizierung als Ausgangspunkt

Ein bewährtes Instrument ist der sogenannte Corrosion Classification Coupon (CCC). Dabei werden Metallplättchen aus Kupfer und Silber für einen definierten Zeitraum der Raumluft ausgesetzt. Die Schichtdicke der entstehenden Korrosionsprodukte gibt Aufschluss über die Korrosivitätsklasse nach ANSI/ISA-71.04-2013. Dieses Verfahren ist kostengünstig, erfordert keine aufwendige Messtechnik vor Ort und liefert belastbare Ergebnisse.

Kontinuierliche Überwachung mit elektronischen Systemen

Für eine laufende Überwachung eignen sich elektronische Systeme wie der OnGuard 4000, der den Korrosionsfilmaufbau in Echtzeit erfasst. Diese Lösung ist besonders für Rechenzentren, Schaltanlagen und andere dauerhaft betriebene elektronische Umgebungen geeignet, bei denen eine punktuelle Messung nicht ausreicht.

Welche technischen Voraussetzungen muss die bestehende Anlage erfüllen?

Damit eine bestehende Lüftungsanlage mit Luftfiltern nachgerüstet werden kann, muss sie ausreichend Bauraum im Kanalquerschnitt oder im Geräteschrank bieten, einen stabilen Volumenstrom gewährleisten und die zusätzliche Druckdifferenz der neuen Filterstufen kompensieren können. Ist der verfügbare statische Druck zu gering, muss der Ventilator angepasst oder ersetzt werden.

Weitere technische Voraussetzungen im Überblick:

  • Kanalgeometrie: Rechteckige oder runde Kanalabschnitte mit ausreichend gerader Einlaufstrecke für den Filtereinbau
  • Volumenstrom: Der Luftdurchsatz muss zur Filterauslegung passen, da zu hohe Strömungsgeschwindigkeiten die Filterleistung reduzieren
  • Druckreserve: Jede Filterstufe erzeugt einen Druckabfall; der Ventilator muss diesen zusätzlichen Widerstand überwinden können
  • Zugänglichkeit: Filtermodule müssen regelmäßig gewartet und gewechselt werden, daher ist ausreichender Serviceraum erforderlich
  • Materialverträglichkeit: Bei aggressiven Gasen müssen Gehäuse und Dichtungen aus korrosionsbeständigen Werkstoffen bestehen

In Sonderfällen, etwa wenn kein Platz im bestehenden Kanalsystem vorhanden ist, können externe Umluftanlagen wie das Purafil® Corrosive Air System (CAS) oder die Purafil® Positive Pressurization Unit (PPU) als eigenständige Einheiten neben der Hauptlüftung betrieben werden.

Wie läuft eine Nachrüstung in der Praxis ab?

Eine Nachrüstung der Lüftungsanlage folgt in der Praxis einem strukturierten Ablauf: Zunächst wird die Luftbelastung gemessen, dann ein passendes Filtersystem ausgewählt und schließlich eingebaut und in Betrieb genommen. Der gesamte Prozess lässt sich in der Regel ohne vollständigen Betriebsstillstand durchführen.

Die typischen Schritte einer Nachrüstung:

  1. Bestandsaufnahme: Sichtprüfung der vorhandenen Anlage, Erfassung von Kanalmaßen, Volumenstrom und Druckverhältnissen
  2. Luftanalyse: Messung der Schadstoffkonzentrationen und Bestimmung der Korrosivitätsklasse
  3. Systemauswahl: Auswahl geeigneter Filtertypen und Dimensionierung der Filterstufen auf Basis der Messdaten
  4. Planung: Festlegung des Einbauortes, Prüfung der Druckreserve und Klärung von Zugangsmöglichkeiten
  5. Einbau: Montage der Filtermodule in den Luftkanal oder Installation als eigenständige Einheit
  6. Inbetriebnahme und Kontrolle: Funktionskontrolle, Messung des Druckabfalls und Überprüfung der Filterleistung
  7. Wartungsplan: Festlegung von Wechselintervallen für die Filtermedien auf Basis der gemessenen Belastung

Bei der Nachrüstung mit chemisorptiven Systemen ist die Voranalyse besonders wichtig, da unterschiedliche Gase unterschiedliche Filtermedien erfordern. Ein Medium, das für Schwefelwasserstoff ausgelegt ist, entfernt Chlor nur bedingt. Die richtige Medienwahl entscheidet über die tatsächliche Schutzwirkung.

Was kostet die Nachrüstung einer Lüftungsanlage mit Luftfilterung?

Die Kosten für das Nachrüsten einer Lüftungsanlage mit Luftfilterung variieren stark und hängen von der Anlagengröße, dem gewählten Filtersystem und der Schadstoffbelastung ab. Einfache Partikelfilterstufen beginnen im niedrigen vierstelligen Bereich, während vollständige chemisorptive Systeme für industrielle Anwendungen deutlich höher liegen können.

Kostentreibende Faktoren sind:

  • Art und Anzahl der benötigten Filterstufen
  • Größe des zu filternden Volumenstroms
  • Aufwand für bauliche Anpassungen am Kanalsystem
  • Notwendigkeit einer Ventilatoranpassung
  • Laufende Kosten für Filtermedien und Wartung

Bei der Kostenbewertung sollte immer der Vergleich zu den Folgekosten gezogen werden, die entstehen, wenn keine Nachrüstung erfolgt. Korrosionsbedingte Ausfälle von Steuerungselektronik, ungeplante Produktionsstillstände oder der Totalausfall eines Servers verursachen in der Regel ein Vielfaches der Investitionskosten. Viele Anlagenhersteller gewähren zudem keine Garantie für Elektronik, die dauerhaft einer Luftbelastung über Korrosivitätsklasse G1 ausgesetzt ist.

Wie wir bei Dolge Systemtechnik bei der Nachrüstung helfen

Wir bei Dolge Systemtechnik begleiten Sie von der ersten Messung bis zur betriebsbereiten Anlage. Als Experten für chemisorptive Luftfilterung mit über 35 Jahren Erfahrung und Master Distributor von Purafil® für Nordeuropa bieten wir Ihnen ein vollständiges Leistungspaket für die Nachrüstung Ihrer Lüftungsanlage:

  • Kostenlose Vor-Ort-Analyse: Wir kommen zu Ihnen und erfassen die individuellen Gegebenheiten Ihrer Anlage und Ihres Schadstoffprofils
  • Luftmessung und Korrosionsklassifizierung: Mit dem Corrosion Classification Coupon oder dem OnGuard 4000 bestimmen wir die genaue Luftbelastung
  • Maßgeschneiderte Systemlösung: Wir wählen das passende Filtersystem aus unserem Portfolio aus, ob PPU, CAS oder Deep Bed Scrubber, und dimensionieren es exakt auf Ihren Volumenstrom und Ihre Schadstoffbelastung
  • Einbau und Inbetriebnahme: Unser Team übernimmt die technische Umsetzung und stellt sicher, dass die Nachrüstung reibungslos in Ihren Betrieb integriert wird
  • Langfristige Betreuung: Wir definieren Wartungsintervalle, liefern die richtigen Filtermedien und stehen Ihnen dauerhaft als Ansprechpartner zur Verfügung

Unser Service ist kostenlos und unverbindlich. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf und lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie sich Ihre bestehende Lüftungsanlage optimal nachrüsten lässt. Rufen Sie uns an unter +49 (0) 5651-2273-0 oder schreiben Sie uns an mail@dolge-systemtechnik.de.

Ähnliche Beiträge

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Weitere Beiträge entdecken

Im Trend

DOLGE Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und erhalten Sie regelmäßig Updates zu unseren neuesten Produkten, Angeboten und Branchentrends direkt in Ihr Postfach. Erfahren Sie als Erster von exklusiven Aktionen und profitieren Sie von wertvollen Tipps und Ratschlägen.


    Sprechen Sie mit unseren Experten

    Unsere Experten stehen bereit, um Ihre Fragen zu beantworten, Ihre Bedürfnisse zu verstehen und maßgeschneiderte Lösungen für Ihre Anforderungen zu entwickeln. Kontaktieren Sie uns noch heute kostenlos und unverbindlich, um den ersten Schritt zu machen und Ihre Produktionsprozesse zu optimieren. Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören und Ihnen dabei zu helfen, Ihre Ziele zu erreichen.

    Andreas Peetz: Experte für Elektronik-Korrosion und Gase

    Andreas Peetz

    Leiter Innendienst

    Jetzt gratis Korrosionsschutz Booklet sichern

    Melden Sie sich zum DOLGE Newsletter an und erhalten Sie Ihr kostenloses Booklet sofort per E-Mail mit wichtigen Informationen und Daten, um Ihre Anlagen zu schützen und Ausfälle zu vermeiden.

    Mit Ihrer Anmeldung zum Newsletter stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung zu. Ihre Daten werden ausschließlich für den Versand des Newsletters und zur Information über unsere Produkte und Dienstleistungen verwendet. Sie können Ihre Anmeldung jederzeit über den Abmeldelink im Newsletter oder durch Kontaktaufnahme mit uns widerrufen.