Die EN 13779 ist eine europäische Norm, die Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen für Nichtwohngebäude festlegt, einschließlich industrieller Einrichtungen. Sie definiert Luftqualitätsklassen, Filteranforderungen und Planungsvorgaben für raumlufttechnische Anlagen. Für Industriebetriebe ist sie ein zentraler Referenzrahmen für die Auslegung von Lüftungssystemen und die Sicherstellung einer gesunden sowie prozesssicheren Luftqualität. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Norm und ihre praktische Bedeutung.
Wurde die EN 13779 durch eine neuere Norm ersetzt?
Ja, die EN 13779 wurde offiziell durch die Normenreihe EN 16798 abgelöst. Die EN 16798-3 regelt seit ihrer Einführung die Leistungsanforderungen für Lüftungs- und Klimaanlagen in Nichtwohngebäuden und ersetzt damit die bisherigen Vorgaben der EN 13779 inhaltlich weitgehend. Dennoch wird die EN 13779 in der Praxis noch häufig als Referenz verwendet, da viele bestehende Anlagen und Planungsdokumente auf ihr basieren.
Der Übergang zur EN 16798 brachte vor allem eine strukturiertere Einteilung der Luftqualitätskategorien und eine stärkere Ausrichtung an energetischen Anforderungen. Für Industriebetriebe, die ihre Anlagen neu planen oder modernisieren, gilt die EN 16798 als aktuell verbindlicher Standard. Ältere Bestandsanlagen, die nach EN 13779 geplant wurden, behalten jedoch ihre Gültigkeit, solange keine wesentlichen Änderungen an der Anlage vorgenommen werden.
Welche Luftqualitätsklassen definiert die EN 13779?
Die EN 13779 unterscheidet vier Außenluftqualitätsklassen (ODA 1 bis ODA 4) und vier Raumluftqualitätsklassen (IDA 1 bis IDA 4). IDA 1 steht für höchste Luftqualität, wie sie in Reinräumen oder sensiblen Umgebungen gefordert wird, während IDA 4 die niedrigste Qualitätsstufe beschreibt, die für weniger anspruchsvolle Bereiche ausreicht.
Für Industriebetriebe ist vor allem die Außenluftklassifizierung relevant, da sie bestimmt, wie stark die Zuluft vorgereinigt werden muss. Die Klassen im Überblick:
- ODA 1: Reine Luft mit nur kurzzeitig erhöhten Staubkonzentrationen
- ODA 2: Luft mit erhöhten Staub- oder Gaskonzentrationen
- ODA 3: Stark verunreinigte Luft mit hohen Staub- oder Gasanteilen
- ODA 4 / ODA 5: Sehr hohe Schadstoffbelastungen, wie sie in industrienahen Umgebungen oder bei chemischen Prozessen auftreten können
Die Raumluftklassen IDA 1 bis IDA 4 wiederum bestimmen, welche Filterleistung erforderlich ist, um die gewünschte Innenraumluftqualität zu erreichen. Diese Klassifizierung bildet die Grundlage für die Filterauswahl und die Dimensionierung der gesamten Lüftungsanlage.
Welche Filterklassen schreibt die EN 13779 für Industriebetriebe vor?
Die EN 13779 legt Mindestfilterklassen in Abhängigkeit von der Außenluftqualität und der angestrebten Raumluftqualität fest. Die Norm gibt dabei Filterkombinationen vor, die in der Regel aus einer Vorfilterstufe und einer Hauptfilterstufe bestehen. Für typische industrielle Umgebungen mit mäßiger bis hoher Außenluftbelastung werden häufig Filterklassen der Kategorie F7 bis F9 für die Hauptfilterstufe empfohlen.
Die konkreten Anforderungen hängen von der Kombination aus Außenluft- und Raumluftklasse ab. Beispielsweise erfordert eine Kombination aus ODA 2 und IDA 2 einen Vorfilter der Klasse M5 sowie einen Hauptfilter der Klasse F7. Bei höheren Schadstoffbelastungen, wie sie in der Petrochemie oder Metallurgie auftreten, können zusätzliche Filterstufen notwendig sein, die über reine Partikelfilter hinausgehen und auch gasförmige Schadstoffe adressieren.
Gilt die EN 13779 auch für Korrosionsschutz in Elektronikräumen?
Die EN 13779 regelt primär die Partikelfilterung und die allgemeine Luftqualität in Lüftungsanlagen. Für den Schutz von Elektronikräumen vor gasförmigen korrosiven Substanzen ist sie allein nicht ausreichend. Hier greift ergänzend die internationale Norm ANSI/ISA-71.04-2013, die Korrosivitätsklassen für Elektronikumgebungen definiert und den Schwellenwert G1 als Mindestanforderung für den Betrieb empfindlicher Elektronik festlegt.
Gasförmige Schadstoffe wie Schwefelwasserstoff, Schwefeldioxid oder Chlorverbindungen werden durch Partikelfilter nicht zurückgehalten. Für Steuerräume, Schaltschränke oder Rechenzentren in industriellen Umgebungen ist daher eine chemisorptive Filterstufe erforderlich, die diese Gase chemisch bindet und neutralisiert. Die EN 13779 bildet dabei die Basis für die Auslegung der Lüftungsanlage, muss aber durch spezifische Normen für gasförmige Kontaminationen ergänzt werden.
Was passiert, wenn ein Industriebetrieb die Normvorgaben nicht einhält?
Wenn ein Industriebetrieb die Vorgaben der EN 13779 nicht einhält, drohen sowohl technische als auch rechtliche Konsequenzen. Auf technischer Ebene führt eine unzureichende Luftqualität zu erhöhtem Verschleiß an Anlagen, Korrosionsschäden an Elektronik und im schlimmsten Fall zu Produktionsausfällen. Anlagenhersteller können zudem die Garantie für Elektronikkomponenten verweigern, wenn nachweislich Luftbelastungen oberhalb der Normvorgaben vorlagen.
Rechtlich kann die Nichteinhaltung von Normen relevant werden, wenn es zu Schäden an Personen oder Eigentum kommt. Normen wie die EN 13779 sind zwar technische Empfehlungen und keine Gesetze, können aber im Schadensfall als Maßstab für die Beurteilung von Sorgfaltspflichten herangezogen werden. Darüber hinaus können Berufsgenossenschaften und Aufsichtsbehörden bei Kontrollen die Einhaltung technischer Regelwerke einfordern.
Wie lässt sich die geforderte Luftqualität messtechnisch nachweisen?
Der messtechnische Nachweis der Luftqualität erfolgt durch standardisierte Messverfahren, die sowohl Partikelkonzentrationen als auch gasförmige Schadstoffe erfassen. Für die Klassifizierung nach EN 13779 sind Staubmessungen und die Bestimmung der Partikelgrößenverteilung zentrale Methoden. Für gasförmige Kontaminationen, insbesondere im Kontext des Korrosionsschutzes, kommen spezifische Analyseverfahren zum Einsatz.
Korrosions-Klassifizierungs-Kupons (CCC)
Eine bewährte und kostengünstige Methode ist der Einsatz von Korrosions-Klassifizierungs-Kupons. Diese standardisierten Metallproben werden über einen definierten Zeitraum in der zu messenden Umgebung exponiert. Anschließend wird der Korrosionsfilm analysiert und die Korrosivitätsklasse nach ANSI/ISA-71.04-2013 bestimmt. Diese Methode erfordert keine aufwendige Messtechnik vor Ort und liefert verlässliche Aussagen über das Korrosionspotenzial der Raumluft.
Kontinuierliche Korrosivitätsüberwachung
Für eine laufende Überwachung der Luftqualität in Elektronikräumen eignen sich kontinuierlich arbeitende Messgeräte wie der OnGuard 4000, der auf dem Prinzip des Korrosionsfilmaufbaus basiert. Dieses System erfasst in Echtzeit, ob die Korrosivität der Raumluft den zulässigen Grenzwert überschreitet, und ermöglicht so eine frühzeitige Reaktion, bevor Schäden an der Elektronik entstehen. Beide Methoden zusammen ergeben ein vollständiges Bild der tatsächlichen Luftbelastung und bilden die Grundlage für fundierte Entscheidungen zur Filterauslegung.
Wie wir bei Dolge Systemtechnik bei der Umsetzung der EN 13779 unterstützen
Wir bei Dolge Systemtechnik begleiten Industriebetriebe von der ersten Analyse bis zur betriebsbereiten Lösung. Dabei gehen wir weit über die reine Filterlieferung hinaus und bieten ein vollständiges Leistungspaket:
- Luftanalyse und Korrosivitätsmessung: Wir setzen Korrosions-Klassifizierungs-Kupons und kontinuierliche Messgeräte wie den OnGuard 4000 ein, um die tatsächliche Luftbelastung in Ihrer Anlage zu erfassen und zu klassifizieren.
- Normkonforme Systemauslegung: Auf Basis der Messergebnisse entwickeln wir Lüftungs- und Filtersysteme, die die Anforderungen der EN 13779 sowie der ANSI/ISA-71.04-2013 erfüllen.
- Chemisorptive Filtertechnik: Für Umgebungen mit gasförmigen Schadstoffen setzen wir auf bewährte Systeme wie den Purafil Deep Bed Scrubber oder das Purafil Corrosive Air System, die korrosive Gase chemisch neutralisieren.
- Service und Wartung: Wir übernehmen die regelmäßige Überprüfung und den Austausch der Filtermedien, damit Ihre Anlage dauerhaft normkonform und leistungsfähig bleibt.
- Kostenlose Vor-Ort-Beratung: Unser Erstgespräch und die Besichtigung Ihrer Anlage sind für Sie kostenfrei und unverbindlich.
Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Anlage die aktuellen Normvorgaben erfüllt oder wie Sie Ihre Elektronik zuverlässig vor Korrosion schützen können, sprechen Sie uns an. Kontaktieren Sie uns unter +49 (0) 5651-2273-0 oder per E-Mail an mail@dolge-systemtechnik.de für eine unverbindliche Erstberatung.










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