Korrosionsschutz in der Wasseraufbereitung – Chlor und seine Folgen

Korrodierte Kupferarmaturen und Ventilkomponenten in einer Wasseraufbereitungsanlage mit grüner Oxidation und Rostbildung durch Chlorschäden.

Chlorkorrosion in der Wasseraufbereitung entsteht, wenn gasförmiges Chlor aus dem Aufbereitungsprozess in die Umgebungsluft entweicht und dort mit metallischen Oberflächen sowie elektronischen Bauteilen reagiert. Besonders Steuerelektronik in Schaltschränken und Leitständen ist gefährdet, weil Chlorgas selbst in niedrigen Konzentrationen aggressive Korrosionsprozesse auslöst. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Korrosionsschutz in der Wasseraufbereitung und zeigt, wie sich Schäden durch gezielte Luftreinigung zuverlässig verhindern lassen.

Wie entsteht Chlorkorrosion in Wasseraufbereitungsanlagen?

Chlorkorrosion in Wasseraufbereitungsanlagen entsteht, wenn Chlorgas oder chlorhaltige Verbindungen aus dem Desinfektionsprozess in die Raumluft austreten und dort mit Metallen, insbesondere Kupfer und Silber in elektronischen Bauteilen, reagieren. Schon geringe Konzentrationen von wenigen Teilen pro Milliarde (ppb) reichen aus, um langfristige Schäden zu verursachen.

In Wasserwerken wird Chlor eingesetzt, um Trinkwasser zu desinfizieren und keimfrei zu halten. Beim Umgang mit flüssigem Chlor, Chlordioxid oder Natriumhypochlorit entstehen unvermeidlich gasförmige Emissionen. Diese Gase verteilen sich in der Gebäudeluft und gelangen in angrenzende Betriebsräume, Schaltschränke und Leitstände.

Die Korrosionsreaktion verläuft schleichend. Chlorgas verbindet sich mit Luftfeuchtigkeit zu Salzsäure, die dann Metalloberflächen angreift. Kupferleiterbahnen auf Platinen, Kontakte in Relais und Steckverbindungen werden dabei bevorzugt angegriffen. Das Ergebnis sind Kontaktwiderstände, Kurzschlüsse und schließlich Totalausfälle von Steuerungssystemen.

Welche Schäden verursacht Chlorgas an Steuerelektronik?

Chlorgas verursacht an Steuerelektronik in erster Linie Kontaktkorrosion, die sich als grünliche oder schwarze Ablagerungen auf Kupfer- und Silberoberflächen zeigt. Diese Korrosionsschicht erhöht den elektrischen Widerstand, führt zu Signalfehlern und kann letztlich zum vollständigen Ausfall von Steuermodulen, Frequenzumrichtern und SPS-Systemen führen.

Besonders kritisch ist, dass die Schäden oft nicht sofort sichtbar sind. Die Korrosion beginnt im Inneren von Schaltschränken, an Steckverbindungen und auf Platinen. Bis ein Ausfall offensichtlich wird, ist die Elektronik häufig bereits so stark beschädigt, dass eine Reparatur unwirtschaftlich ist.

Für Betreiber von Wasserwerken bedeutet das konkret:

  • Ungeplante Produktionsunterbrechungen durch Steuerungsausfälle
  • Hohe Kosten für den Austausch korrodierter Elektronikkomponenten
  • Verlust von Herstellergarantien, da viele Anlagenhersteller keine Garantie für Elektronik gewähren, die einer Luftbelastung über dem internationalen Standard G1 gemäß ANSI/ISA-Norm ISA-71.04-2013 ausgesetzt war
  • Sicherheitsrisiken durch fehlerhafte Steuersignale in sicherheitskritischen Prozessen

Der Korrosionsschutz der Steuerelektronik ist daher keine optionale Maßnahme, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit in jeder Wasseraufbereitungsanlage, die mit Chlorverbindungen arbeitet.

Fragen zu diesem Thema? Wir beraten Sie gerne.

Was ist der Unterschied zwischen chemisorptiver und physikalischer Luftfilterung?

Der entscheidende Unterschied liegt im Wirkprinzip: Physikalische Luftfilterung hält Partikel und Staub mechanisch zurück, ist aber gegen gasförmige Schadstoffe wie Chlor weitgehend wirkungslos. Chemisorptive Luftfilterung dagegen bindet und neutralisiert gasförmige Verunreinigungen durch chemische Reaktion im Filtermedium und ist damit die geeignete Methode für den Chlorgas-Korrosionsschutz in Wasserwerken.

Physikalische Filter wie HEPA-Filter arbeiten nach dem Prinzip der mechanischen Abscheidung. Feine Fasern fangen Partikel ab, die groß genug sind, um hängen zu bleiben. Gasmoleküle wie Chlor, Schwefelwasserstoff oder Ammoniak sind jedoch so klein, dass sie diese Filtermedien nahezu ungehindert passieren.

Chemisorptive Filter enthalten imprägnierte Aktivkohle oder spezielle Reaktivmedien wie Purafil-Granulate. Wenn Schadgasmoleküle das Filtermedium durchströmen, werden sie nicht nur physisch festgehalten, sondern durch chemische Reaktion dauerhaft umgewandelt oder neutralisiert. Das Chlorgas reagiert mit dem Filtermedium und liegt anschließend in veränderter, unschädlicher Form vor, ohne dass eine erneute Freisetzung möglich ist.

Für die Luftreinigung in der Wasseraufbereitung ist die chemisorptive Methode deshalb unverzichtbar. Nur sie kann die gasförmigen Chlorverbindungen zuverlässig aus der Raumluft entfernen, bevor sie Schäden an der Steuerelektronik anrichten.

Wie wird Chlorgas in Wasserwerken sicher gefiltert?

Chlorgas in Wasserwerken wird sicher gefiltert, indem die kontaminierte Raumluft durch chemisorptive Filtersysteme geleitet wird, die das Gas chemisch binden und neutralisieren. Je nach Chlorkonzentration und Raumgröße kommen unterschiedliche Systemtypen zum Einsatz, von kompakten Umluftgeräten bis hin zu leistungsstarken Tiefbettschrubbern für hohe Gaskonzentrationen.

Umluftanlagen für Schaltschränke und Leitstände

In Räumen mit moderater Chlorbelastung eignen sich Umluftanlagen, die die Raumluft kontinuierlich durch chemisorptive Filtermedien zirkulieren lassen. Systeme wie das Purafil Corrosive Air System (CAS) arbeiten im Umluftbetrieb und halten die Schadgaskonzentration dauerhaft unter kritischen Grenzwerten. Sie lassen sich nachrüsten und sind besonders für bestehende Schaltschrankräume geeignet.

Überdrucksysteme zum Schutz geschlossener Bereiche

Eine weitere Methode ist die Überdruckbeatmung sensibler Bereiche. Dabei wird gefilterter Frischluftüberdruck in den Schutzraum eingebracht, sodass keine kontaminierte Außenluft eindringen kann. Die Purafil Positive Pressurization Unit (PPU) arbeitet nach diesem Prinzip und ist ideal für Schaltschränke oder kleine Serverräume in Wasserwerken.

Tiefbettschrubber bei hohen Chlorkonzentrationen

In Bereichen mit hoher Gaskonzentration, etwa direkt an Chlordosieranlagen oder in Chlorlagerbereichen, sind Tiefbettschrubber die richtige Wahl. Der Purafil Deep Bed Scrubber (DBS) enthält ein tiefes Bett aus reaktivem Filtermedium, das auch bei hohen Eingangskonzentrationen zuverlässig arbeitet. Er eignet sich für industrielle Umgebungen, in denen Chlorgas in größeren Mengen auftreten kann.

Wie misst man die Korrosivität der Luft in einem Wasserwerk?

Die Korrosivität der Luft in einem Wasserwerk lässt sich am einfachsten und zuverlässigsten mit sogenannten Korrosions-Klassifizierungs-Coupons (CCC) messen. Diese Metallplättchen werden für einen definierten Zeitraum im Messbereich exponiert und anschließend im Labor analysiert, um den Korrosionsfilm zu bestimmen und die Luftqualität gemäß der ANSI/ISA-Norm einzustufen.

Das Coupon-Verfahren hat mehrere praktische Vorteile: Es erfordert keine teuren Messgeräte vor Ort, verursacht keine Betriebsunterbrechungen und liefert dennoch aussagekräftige Ergebnisse über die tatsächliche Belastung der Luft mit korrosiven Gasen. Nach der Laboranalyse ergibt sich eine Einstufung in die Korrosivitätsklassen G1 bis GX nach ANSI/ISA-71.04-2013.

Für eine kontinuierliche Überwachung eignen sich elektronische Korrosivitätssensoren wie der OnGuard 4000. Er basiert auf dem Prinzip des Korrosionsfilmaufbaus und misst die Korrosionsrate in Echtzeit. Damit lässt sich die Wirksamkeit von Filteranlagen dauerhaft überwachen und dokumentieren, was besonders für zertifizierungspflichtige Betriebe relevant ist.

Eine einmalige Messung reicht in der Regel nicht aus. Sinnvoll ist ein Messkonzept, das sowohl die Ausgangssituation erfasst als auch nach Installation einer Filteranlage regelmäßige Kontrollmessungen vorsieht, um die Einhaltung der Grenzwerte dauerhaft zu belegen.

Wann lohnt sich ein professionelles Luftreinigungssystem für die Wasseraufbereitung?

Ein professionelles Luftreinigungssystem lohnt sich in der Wasseraufbereitung immer dann, wenn Chlor oder andere korrosive Gase in der Raumluft nachweisbar sind und Steuerelektronik, Messgeräte oder IT-Infrastruktur im selben Gebäude betrieben werden. Bereits eine Luftqualität schlechter als Klasse G1 nach ANSI/ISA-Norm rechtfertigt den Einsatz eines chemisorptiven Filtersystems.

Konkret sollten Betreiber von Wasseraufbereitungsanlagen eine Luftreinigungslösung in Betracht ziehen, wenn:

  • Steuerungssysteme oder Frequenzumrichter wiederholt ausfallen oder unklare Fehler zeigen
  • Sichtbare Korrosionsspuren an Metalloberflächen oder Elektronikkomponenten auftreten
  • Chlordosieranlagen, Chlorlager oder Desinfektionsbecken in der Nähe von Leitständen oder Schaltschrankräumen liegen
  • Hersteller von Steuerungsanlagen die Garantie aufgrund von Luftbelastung ablehnen oder einschränken
  • Geplante Modernisierungen neue, teure Elektronik in bestehende Gebäude einbringen sollen

Die Investition in ein Luftreinigungssystem amortisiert sich in den meisten Fällen schnell. Ein einziger ungeplanter Ausfall einer Prozesssteuerung, verbunden mit Reparaturkosten, Ersatzteilbeschaffung und Produktionsunterbrechung, übersteigt häufig die Kosten einer vollständigen Filteranlage. Dazu kommt der Aspekt der Betriebssicherheit: In der Wasserversorgung sind Ausfälle der Steuerungstechnik nicht nur kostspielig, sondern können die Versorgungssicherheit ganzer Gemeinden gefährden.

So unterstützt Dolge Systemtechnik beim Korrosionsschutz in der Wasseraufbereitung

Wir bei Dolge Systemtechnik bieten Wasserwerken und kommunalen Betrieben eine vollständige Lösung für den Korrosionsschutz der Steuerelektronik und die Luftreinigung in der Wasseraufbereitung. Unser Ansatz beginnt nicht mit dem Verkauf eines Filtersystems, sondern mit einem genauen Verständnis Ihrer individuellen Situation vor Ort.

Was wir für Sie tun:

  • Luftanalyse und Korrosivitätsmessung: Wir führen eine professionelle Messung der Luftbelastung durch und stufen die Korrosivität nach ANSI/ISA-Norm ein, damit Sie eine belastbare Grundlage für Ihre Entscheidungen haben.
  • Systemauswahl und Planung: Auf Basis der Messergebnisse empfehlen wir das passende chemisorptive Filtersystem, ob Umluftanlage, Überdrucksystem oder Tiefbettschrubber, und planen die Integration in Ihre bestehende Infrastruktur.
  • Lieferung und Inbetriebnahme: Als Master Distributor von Purafil für Nordeuropa liefern wir bewährte Systeme und begleiten die Inbetriebnahme persönlich.
  • Filtermedien und Wartung: Wir stellen alle notwendigen Filtermedien bereit und unterstützen Sie bei der regelmäßigen Wartung, damit Ihr Schutzsystem dauerhaft wirksam bleibt.
  • Kostenloser Vor-Ort-Termin: Unser Service ist unverbindlich. Wir kommen gerne zu Ihnen, um uns ein Bild von Ihren spezifischen Herausforderungen zu machen.

Sprechen Sie uns an und lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie wir Ihre Steuerelektronik zuverlässig vor Chlorkorrosion schützen können. Rufen Sie uns unter +49 (0) 5651-2273-0 an oder schreiben Sie uns an mail@dolge-systemtechnik.de. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

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    Andreas Peetz: Experte für Elektronik-Korrosion und Gase

    Andreas Peetz

    Leiter Innendienst

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